Willkommen auf dem ersten Versuch einer web site von Stefan Reiß

 

Am Ende einer äußerst mühsam durchgestandenen Schulzeit, war ich am Aufbau der ersten Berliner Schwulenorganisation HAW (Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft Westberlin e.V.) beteiligt, aus der das SchwuZ hervorgegangen ist. Während des Jura-Studiums in Berlin, Hamburg und Heidelberg habe ich in der Mannheimer Schwulengruppe SchAM und später auch in der Heidelberger Gruppe homo heidelbergensis mit gemacht und mit der NARgS, die aus Einzelpersonen aus der ganzen Bundesrepublik bestand, die Behandlung von Fällen von Schwulendis-kriminierung während des Russell-Tribunals über Menschenrechtsverletzungen in der Bundesrepublik Deutschland 1978/79 in Köln und Frankfurt/Main durchgesetzt - das war in der Zeit der Berufsverbote. Um nicht immer nur von gesellschaftlichen Zwängen zu sprechen und abstrakt Theorien zu diskutieren beschlossen wir, danach ein großes Fest mit Film- Theater- und Musikprogramm zu organisieren, auf dem es selbstverständlich auch politische Diskussionsveranstaltungen geben sollte. Dazu wollten wir auch Schwule aus anderen Ländern einladen und suchten deshalb nach einem Namen, der unabhängig von der Sprache die richtige Assoziation hervorrufen sollte. Deshalb "klauten" wir den Namen einer Bar in Amsterdam, in der keiner von uns je gewesen ist: Homolulu. Am 30.06.1979 fand in Bremen und Berlin die ersten gay pride Veranstaltungen in Deutschland statt, die nach dem Ort der Straßenkämpfe in New York City Christopher Street Day genannt wurden. Den Namen der Bar, Stonewall Inn mochte wahrscheinlich niemand für eine schwulenpolitische Veranstaltung nehmen, weil die bundesdeutsche Schwulenbewegung viel zu große Probleme damit hatte, ein Wirtschaftsunternehmen positiv mit Politik in Zusammenhang zu bringen. Danach wurde ich Gerichtsreferendar in Berlin und fuhr im Juli und August 1979 nach Frankfurt, um dort teilweise auf dem Gelände der Universität und teilweise in einem großen Festzelt an der Nidda abwechselnd Mülle weg zu räumen und Interviews zu geben. Denn Homolulu hatte eine solche Dimension erreicht, dass plötzlich jeder deutsche Radiosender und jede Zeitung darüber berichtete. Von Göttinger Mitgliedern der NARgS wurde 1980 das Waldschlösschen gegründet, um die Mischung von gemeinsamer Arbeit und Feiern über die 10 Tage von Frankfurt hinaus fort zu setzen. Wegen meiner juristischen Vorbelastung half ich beim Grün-den des Trägervereins und bin seither Mitglied. Ebenfalls 1980 wurde ich Vorstandsmitglied des neu gegründeten Vereins hs (Homosexuelle Selbsthilfe e. V.), einem Verein, der die Lebenssituation von Lesben und Schwulen dadurch verbessern will, dass er Projekten finanzielle Starthilfe gewährt und Vereinen und Einzelpersonen Rechtskostenzuschüsse gewährt, um z.B. Muster-entscheidungen zu erreichen. Nachdem sich die HAW unter dem Namen SchwuZ (Schwulenzentrum) zu einem reinen Veranstaltungsort entwickelt hatte, blühte die aha (Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft e.V.) auf, die von Leuten gegründet worden war, denen die an-tikapitalistische suspekt oder einfach nur zu verbissen gewesen war. Wie schon bei der HAW verließen die Frauen die Gruppe bald, um sich in der Frauenbewegung zu engagieren. Als die Europäischen Gemeinschaften eine Richtlinie erließen, das alle Mitgliedsstaaten Gesetze gegen die Diskriminierung von Frauen erlassen sollten. Als in der Bundesrepublik Deutschland die Humanistische Union dies zum Anlass nahm, einen Entwurf für ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz zu erstellen, trafen sich unter dem Dach der aha auch alte HAW-Aktivisten wieder und einige Juristen und Interessierte gründeten eine AG Juristen, die einen Entwurf für Teile eines Anti-Diskriminierungsgesetzes erarbeiteten, die Schwule betrafen. Im April 1981 trafen sich zum ersten Mal schwule Juristen aus der ganzen alten Bundesrepublik in einem kleinen Tagungshaus in Großenkneten (in der Gegend von Oldenburg) und beschlossen, unter dem Namen Schwule Initiative gegen den Paragraphensumpf SchwIPs einen Rechtsratgeber zu schreiben, der 1982 unter dem Titel "recht schwul" im Verlag rosa Winkel erschien. Die Juristengruppe der aha ging in dieser Gruppe auf. 1981 bestand ich auch das zweite juristische Staatsexamen, flog zum zweiten Mal in die USA und von dort aus zum ersten Mal nach Kanada und fuhr häufig nach Amsterdam. 1983 eröffnete ich meinen kleinen Rechtsprechungskiosk: zunächst war mein Anwaltsbüro in der Niebuhrstraße, dann zog ich zusammen mit meinem Sozius in die Brandenburgische Straße und nachdem wir uns wieder getrennt hatten, zog ich mit meinem Büro 1988 in die Bornstraße, bis ich diese Phase meines Arbeitslebens am 15. November 1989 abschloss. Als die Bedrohung durch AIDS deutliche Konturen annahm, half ich Sabine Lange und Bruno Gmünder dabei, die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. zu gründen und wurde zusammen mit ihr, die seit den Untersuchungen und Hepatitis B Impfungen in der damaligen Landesimpfanstalt Abteilung Tropenmedizin schon eine Vertrauensperson in der schwulen Szene geworden war, und Thomas, dem Wirt der Knolle, Teil des ersten Vorstands der damals winzigen DAH. Auf Initiative des Treffens Berliner Schwulengruppen, das wegen seiner herausragenden Rolle als Organisator manchmal spöttisch auch Thomas Brüggemann Show genannt wurde, kandidierte ich 1985 im Bezirk Wedding für die Alternative Liste (AL) als parteiloser Kandidat für das Abgeordnetenhaus von Berlin. Obwohl Herbert Rusche bereits 1984 für DIE GRÜNEN erfolgreich zum Bundestag kandidiert hatte, wurde ich der erste offen schwule Abgeordnete in Deutschland, denn ich trat mein Mandat sofort an, während Herbert die erste Hälfe der Legislaturperiode warten musste, bis er planmäßig im Rahmen der Rotation als Nachrücker in den Bundestag einziehen konnte. Ostern 1987 trat ich mit der gesamten Fraktion zurück, um die zweite Hälfte der Wahlperiode unseren Nachrückern zu überlassen (Rotation hieß das). Bevor ich mich wieder in mein Anwaltsdasein stürzte, schrieb ich mit Sabine Mehlem den ersten Rechtsratgeber zu den damals heiß umstrittenen rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit AIDS. Ihr damaliger Freund, Jürgen Wolf, der Journalist ist, sorgte dafür, dass unsere Text nicht nur korrekt, sondern auch für Nichtjuristen verständlich waren. Im Sommer 1989 lernte ich meinen Mann kennen. Als die erste rot-grüne Koalition in Berlin 1989 eine Antidiskriminierungsstelle für Lesben und Schwule einrichten wollte, bewarb ich mich um diesen Job. Als das Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der damaligen Senats-verwaltung für Frauen, Jugend und Familie gegründet wurde, gab ich mein Rechtsanwaltsbüro auf und wurde wenige Tage nach der Öffnung der Grenze der DDR am 16. November 1989 Schwulenreferent, zusammen mit Prof. Dr. Ilse Kokula als Lesbenreferentin. Wir sind beide schon seit einiger Zeit auf andere Stellen innerhalb der Behörde, die inzwischen Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport heißt, ge-wechselt. Der Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, der seit 1990 auch seine Zuständigkeit für die Belange von Transsexuellen wahrnimmt, arbeitet aber kontinuierlich weiter und kann eine stolze Liste mit wichtigen Veröffentlichungen vorweisen. Seit 1989 wollte Professor Dr. Andreas Meyer-Hanno, der schon seit Jahren nicht nur kluge Diskussionsbeiträge in den Braunschweiger und Frankfurter Schwulengruppen eingebracht, sondern auch manches finanzielle Loch gestopft hatte und daher den Bewegungsnamen Hannchen Mehrzweck trägt, die Idee der Homosexuellen Selbsthilfe e.V. durch eine gemeinnützige Stiftung ergänzen. Wieder schienen meine Rechtskenntnisse wie naturgegeben dahin zu führen, dass ich, als die Hannchen-Mehrzweck-Stiftung für homosexuelle Selbsthilfe (hms) 1991 von der Berliner Stiftungsaufsicht genehmigt wurde, mit ihm und dem Frankfurter Arzt Dr. Stefan Schlesinger in deren Vorstand saß. Nach dem Ende der ersten Amtszeit kandidierte Stefan Schlesinger nicht wieder und an seiner Stelle wurde Arne Seydak vom Beirat der hms in den Stiftungsvorstand gewählt. Nach insgesamt 10 Jahren sind wir zum Ende des Jahres 2001 alle drei aus dem Amt geschieden und haben einem etwas größeren Vorstand, dem nun auch nicht mehr nur Männer angehören, Platz gemacht. Und am 25. Juli 2002 haben mein Mann und ich vor der Standsbeamtin in Berlin Chrlottenburg-Wilmersdorf -am 13.Jahrestag unseres Kennenlernens- unsere Lebenspartnerschaft eintragen lassen.

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mein Mann hat es mit seiner web site auch noch nicht wirklich weiter geschafft

Ehrhard Reiß